Hausbrauerei Arno Diener Amberg / Opf.
  - - -
     
 
Gedicht Bier & Barock in Ostbayern und Böhmen
(Humoristische Ansprache von Norbert Neugirg, Kommandant der "Altneihauser Feierwehrkapell'n", 2007, er spricht mir mit diesem Gedicht aus der Seele und ist hoffentlich nicht böse, wenn ich es hier trotz Copyright veröffentliche. Dafür bekommt er bei Gelegenheit wieder mal ein Sudhang Bier.)

Im bayerischen nahen Osten
kommt der Gast auf seine Kosten:

Hier geht jetzt im Geschichtsverlauf
Bayerns Tor zum Osten auf
und Landschaft wie der Menschenschlag
weiten sich in Richtung Prag.

Der Münchner Fettklops zittert,
weil er langsam wittert,
- so gern wie er's vergisst -
dass Bayern mehr als München ist.

München platzt aus allen Nähten,
die Oberpfalz bekommt die Gräten.
Allianz Arena - Transrapid,
Milliarden halten München fit,
für Ostbayern ist Bummelzug
und Diesellok Komfort genug. .......

 

......

Höchste Zeit, dass München spürt,
dass in Bayern auch was funktioniert,
wenn die Achse nicht durch München führt.

Zeit, dass wir das Maul aufreißen
und den Münchnern etwas schreiben,
auf dass dem Münchner Volk aufgeht
dass der Wind jetzt anders weht,
denn im Osten rührt sich was,
da wird die Münchner Weißwurst blass,
„Nürnberg - Prag und zwischendrin"
das gibt Europa neuen Sinn.

Bis nach Böhmen gibt's Gebäude
und Wirtshäuser zur Freude
des Touristen, der genießt,
was in Europas Mitte sprießt.

Hier verwächst, was einst getrennt,
zum großen alten Kontinent,
denn in diesen Breiten
schlummern auch die Zeiten,
in denen einst sogar
Böhmen noch bei Öst'reich war.
***Lied Wie Böhmen noch bei Öst'reich war***

Bei uns gibt's Qualität fürs Geld
und der, der sich ein Bier bestellt,
bekommt noch was speziell Gebrautes
und kein einheitsbreiversautes,
konzemgekotztes Fernsehbier
A la Allerweltsgeschmier'
wie Krombacher und Schöfferhofer,
davon wird der Mensch bloß doofer,
auf Discounterbrühe reduziert
und zum Umsatzrindvieh degradiert.

Kein belgisch infiltrierter Plempel
der Biermafia mit Münchner Stempel,
nein - in Bayerns Osten und in Böhmen
kann man noch Biere zu sich nehmen,
die, gebraut an vielen Ecken,
so exzellent verschieden schmecken,
weil hier ein Volk zu Werke geht,
das sein Bier als Kunst versteht
und nicht als charakterlose
kommerzielle Massensoße,
die möglichst große Menschenhaufen
kulturlos in die Leber saufen.

In Bayern-Böhmen wird gepflegt
Wert auf die Kultur gelegt:
Feines Bier, althergebracht
mit Liebe und Verstand gemacht,
dazu in höchster, feinster Güte
Bauten der Barockbaublüte.

Bierbraukunst und Schnörkeltempel
sprich reich verzierter Mauerkrempel,
vulgo altes Glump genannt,
besser als Barock bekannt.

Hier trank schon Kaiser Karl vier
eurovisionär das Bier
und führte große Pläne aus,
da war München noch ein Hühnerhaus.

Die Oberpfalz, der Böhmerwald
Kultur, viel hundert Jahre alt
und so lädt Bayern-Böhmen ein:
Wochenend' und Sonneschein.
***Lied Wochenend' und Sonnenschein***

Am günstigsten - das wissen wir -
ist bayernweit das Zoiglbier.

Der Oberpfälzer Wald allein
braut's noch nach alter Sitte ein:
Kommunbrauhaus, daheim die Gärung
und ebenfalls daheim die Leerung
durch Volk, welches, ins Haus gelockt,
so lang dem Wirt im Wege hockt
bis der letzte Zoiglrest
durch die Blase es verlässt.

In fünf Kommunbrauorten an der Zahl
gibt's Zoiglbier noch original:
Falkenberg und Mitterteich,
Neuhaus und daneben gleich
Windischeschenbach und bei Waidhaus
schenkt Eslarn echten Zoigl aus.

Aus dem Besagten in Neuhaus
läuft ein tolles Zeug heraus,
das untergärig unfiltriert
zum Ansturm vieler Gäste führt.

So häufen sich die Zoiglschwestem
und -brüder in den Zoiglnestern,
nach alter Tradition getränkt,
dort wo der Stern zum Dach raushängt.

500 und 50 Jahre
ist Zoigl als Kommunbrauware ,
im Oberpfälzer Wald daheim
und hält sich trotz dem ganzen Schleim
wie Warsteiner und Becks-Gebrodel
und trotz dem vielen Preißnodel
als gutes Bier der kurzen Wege
und erfreut sich bester Pflege.

Zoiglbier mit Brot und Schmalz
bringt Freunde in die Oberpfalz.

Für wenig Geld gibt's fette Beute,
das weiß auch die Gästemeute,
die heut' zwecks einer Zeitung
der Barock- und Bierverbreitung
den Oberpfälzer Wald auswählte
und auf dessen Zoigl zählte.

Gekommen ist, falls ihn wer kennt,
der Regierungspräsident
im Schlepptau amtsbekannten
Waldsass'ner Oberministranten,
der Landrat und, viel unvergreister,
der Windischeschenbacher Bürgermeister,
und so wimmelt's zwischen Essensresten
von Freibier- und von Ehrengästen.

Diverse Räte, Hopfenbräute,
Politiker, normale Leute,
Rechtsanwälte, Erzschlawiner
und ähnliche Geringverdiener,
Zoiglsieder, Bieranrührer,
Heimatpfleger, Bauernführer,
Medienleute, Journalisten,
Anwärter für Kreistagslisten
und so weiter und so zu,
überwiegend CSU.

Verschiedenste Besoldungsstufen
scharrten freudig mit den Hufen,
denn freie Außerhausverpflegung
bringt selbst Beamte in Bewegung.

Sogar Touristiker für Bayerns Osten
verließen ihre Schreibtischposten
und begaben sich in Horden
zwecks Zoigibier gen Norden.

Lässt man den Zoigl nicht verderben,
so muss man nicht dran sterben.
Reinhard Fütterer hat's Bier spendiert,
weil's vom Aufheben nicht besser wird.

Das Wirtshaus "Weißer Schwan"
hat Essbares dazu getan,
ebenfalls zum Nulltarif,
weil die Sau schon nicht mehr lief.

Der Forster Schorsch in seiner Not
entsorgte hier zwölf Kilo Brot
und das Birler-Brezenhaus
probierte neue Brezen aus
und stellte das Gebäck bereit
zwecks Prüfung der Verträglichkeit.

Gärtner Punz-mann hat vom Feld
den Hof mit grünem Glump verstellt,
um dahinter in den Ecken
des Hofes Unrat zu verstecken.

Weil's in einem Aufwasch geht,
hat Landrats Frau Elisabeth
die Sache gleich beim Schopf genommen
und ist mit hierher gekommen,
nachdem, wie's halt der Zufall will,
auf heute ihr Geburtstag fiel.

Besser kann man's gar nicht richten,
auf eig'ne Kosten zu verzichten,
weshalb's der Landrat passend fand
und auf diesen Tag bestand.

Unser Glückwunsch gilt dazu der Leitung
der böhmisch-bayerischen Ostbierzeitung,
die Ostbayern vorm Rest der Welt
nicht als Münchner Teil darstellt
und uns mit Böhmen recht geschickt
in Europas Mitte rückt.

In der Luft liegt Zoiglduft
und staubig ist die Atemluft.
Grund genug, im Reim zu enden
und sich dem Zoigl zuzuwenden.

Die Getränke geh'n zu Lasten
des Schafferhofs, so heißt der Kasten.
Baufällig seit Dreizehnhundert,
was bei dem Wirt auch keinen wundert.

Auf Klagen zu den einzelnen Gedichten
bitten wir Sie zu verzichten,
doch die Watschen deretwegen
nimmt der Moder gern entgegen.

Noch schöne Stunden in der alten Bude
und zum Geburtstag: Alles Gute!

******
Mehr von Norbert Neugirg in seinem Buch:
Was ich so denk'- im Buch&Kunstverlag Oberpfalz